Oberlausitz

Wir leben und arbeiten in einem kleinen Dorf an der Neiße: Klein Priebus. Es war mal das letzte Dorf des Bezirkes Cottbus, dessen Großteil heute zu Brandenburg gehört. Jetzt gehört es zu Sachsen. Am Ortseingangsschild steht außerdem dran: Přibuzk. Das ist sorbisch, weil wir uns auch in einem sorbischen Siedlungsgebiet befinden, aber die Sprache habe ich bisher nur 30km weiter auch mal auf der Straße gehört. Die älteren Einwohner sprechen Oberlausitzerisch mit seinem markant rollenden R. Andere fühlen sich schlesisch, weil wir auch zu Niederschlesien gehören. Der alte Landkreisname versuchte deshalb sich dem mit einem hübschen Bandwurm anzunähern: Niederschlesischer Oberlausitzkreis. Heute gehören wir zum Landkreis Görlitz, der so vielfältig ist wie seine Namen.

Quelle: www.traumpilotin.de

Im Norden auf der einen Seite hügelig und auf der anderen Seite tagebauflach, kurz darunter wieder flach mit großen Teichgebieten, in der Mitte kommen die Hügel der Königshainer Berge und des Oberlausitzer Berglandes und schließlich steigen wir mit dem Zittauer Gebirge noch weiter himmelwärts. Alle 3 UNESCO Titel Sachsens haben sich hier mit der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, dem Geopark Muskauer Faltenbogen und dem Fürst Pückler Park und Schloss Bad Muskau versammelt. Wir spüren hier eine große Wärme. Eine Freundin von mir sagt jedes Mal, wenn sie in die Oberlausitz kommt: Hier muss ich mal einen Roman schreiben. Und so ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass hier einige wichtige deutsche Philosophen geboren wurden und lebten: Jakob Böhme, Johann Gottlieb Fichte und Gotthold Ephraim Lessing.

Die „Hauptstadt“ Görlitz wurde einmal „Pensionopolis“ genannt – so schön und so attraktiv war die Stadt für müßiggehende Genießer und so leicht fuhr es sich von hier aus zu den Bädern im Riesengebirge oder im Böhmischen.

Heute sagt man stolz „Görliwood“, denn vieles ist nun wunderbar restauriert und die 20/30er Jahre lassen sich hier ebenso filmen, wie die Zeiten Goethes.

Ist es in den Städten der Oberlausitz wie Görlitz, Zittau, Löbau, Bautzen schon beschaulich, so ist es bei uns an der Neiße regelrecht menschenleer. Im Sommer haben wir unseren Privatstrand und im Winter fährt nicht mal mehr jemand auf dem Neißeradweg. Für mich langjährige Städterin ist das einfach erholsam. Will ich doch Menschen begegnen, dann mache ich mich einfach auf in die Hotspots der Region. Und wenn man Entferung als Zeit begreift, brauche ich auch nicht länger als von Pankow nach Kreuzberg.